Francien mit ihrem Tagebuch (2024)
Weg der Freiheit

12 – Francien Versantvoort

Da es damals noch keine Kugelschreiber gab, schrieb Francien mit Bleistift in ein kleines Büchlein mit geblümtem Einband. Hier einige Auszüge daraus:

17. September 1944.Gegen 11 Uhr waren unzählige Flugzeuge zu sehen. Sie flogen in Sechsergruppen Richtung Maas. Um 14 Uhr tauchten erneut sehr viele Flugzeuge auf, diesmal flogen sie jedoch sehr tief. Sie setzten Fallschirmjäger ab, auch in Eerde. Veghel wurde bald besetzt. Wir sahen an diesem Tag keine englischen Soldaten. Die Nacht verbrachten wir bei Ties van de Tillaar. Wir saßen die ganze Nacht in der Küche.

18. September 1944.Den ganzen Tag über geschah nichts; erst am Nachmittag sahen wir zwei englische Fahrzeuge. Gegen Abend entdeckten wir die ersten fünf Soldaten zu Fuß. Es waren wieder viele Flugzeuge unterwegs. Sehr tief.

12 – Francien Versantvoort

Mit großer Mühe brachte er hervor: „Wie geht es Ihnen?“.

80 Jahre Freiheit

Zitate aus dem Tagebuch

19. September 1944. Während der Messe um 8 Uhr fuhren englische Autos, Motorräder und Panzer vorbei. Alle standen auf der Straße und winkten. Um 8:30 Uhr wehte die Flagge bereits draußen

Um ein Uhr hatten wir mit dem ersten Engländer in der Kirche gesprochen. Es ging immer weiter. Als die Wagen anhielten, gingen wir schnell hinüber. Am Nachmittag wurde unser Toos zum Nachbarn De Mol gerufen. Dort war ein Engländer, der Niederländisch lernen wollte. Mit großer Mühe brachte er ein „Wie geht es Ihnen?“ heraus.

Lesen Sie alle Zitate in Klein im Weltkrieg, Mariaheide vor 75 Jahren befreit“. 

Englische Autos, Motorräder und Panzer
Francien mit ihrem Tagebuch (2024)

Im Gespräch mit Francien, 14. August 2024

Ende März 1945 hörte Francien auf zu schreiben; ihr Notizbuch war voll. Sie hatte es all die Jahre aufbewahrt. Als wir sie im August 2024 besuchen, ist Francien 95 Jahre alt. Ihre Erinnerungen sind noch immer glasklar. Nach dem Krieg korrespondierte sie lange mit Eddy aus England. „Es ist schade, dass ich diese Briefe nicht aufgehoben habe.“ Sie erzählt, wie sie sich einmal unter den Tisch krochen, als eine V-1-Rakete über sie hinwegflog und in der Nähe einschlug. Und wie sie sich in die Speisekammer des Wirts und Lebensmittelhändlers Driek de Mol schlichen und auf den Zuckersäcken saßen. Driek blieb neugierig draußen. Bis sie direkt vor seinen Augen einen Strommast entzweischossen. 

Francien freute sich normalerweise über den Besuch der Soldaten im Haus. „Nur der alte Jack nicht, der war nichts für mich. Er kam mir zu nahe. Da habe ich ihm ins Gesicht geschlagen …“ 

Francien Versantvoort denkt noch oft an den Krieg zurück. Und sie sagt, sie habe oft Angst gehabt.

Viele Kriegsgeschichten können Sie in „in een Wereldoorlog, Mariaheide 75 jaar bevrijd“, Ausgabe 2019, lesen. Klein