Erwähnen Sie Vincent Knoops
Weg der Freiheit

10 – Joyce Willems-Kardol

Die Flagge an unserem Hauptquartier in Kabul wehte fast immer auf Halbmast – ein Zeichen dafür, dass ein Kollege gefallen war. Außerdem wurden wir jeden Morgen über alle Gräueltaten informiert, die sich nur wenige Kilometer entfernt ereigneten.

Ein Moment, an den ich mich noch genau erinnere: die Anspannung während der Raketenangriffe auf das ISAF-Hauptquartier. Mitte August 2008 heulte die Luftschutzsirene. Es war mitten in der Nacht, und wir rannten im Schlafanzug zum nächsten Bunker. Es war total surreal; ich fühlte mich wie in einem Actionfilm. Ich war selbst überrascht, wie schnell ich rennen konnte. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie zerbrechlich Freiheit ist und wie wichtig es ist, sie zu schützen.

10 – Joyce Willems-Kardol

Jetzt, wo ich selbst Mutter bin, wirkt sich der Krieg rückwirkend noch viel stärker auf mich aus

80 Jahre Freiheit

Lichtblick

Jetzt, wo ich selbst Mutter bin, berührt mich der Krieg im Rückblick noch viel stärker. Ich habe furchtbare Dinge gesehen, wie zum Beispiel mehrere Babys, die in einem provisorischen, engen Inkubator zusammengepfercht waren. Ich war in Afghanistan noch jung. Ich war naiver und konnte deshalb besser Distanz wahren. Neben meiner täglichen Arbeit versuchten wir, mit kleinen Dingen etwas zu bewirken, indem wir Umarmungen und Medikamente an lokale Krankenhäuser brachten. Auch wenn eine Umarmung keine großen Probleme löst, war sie doch ein Lichtblick an einem dunklen Tag für ein Kind.

Worte als Instrument

Für mich bedeutet Freiheit, denken, sagen und tun zu dürfen, was man will. Dazu gehört auch die Möglichkeit, seine politischen Ansichten zu äußern und seine Meinung frei zu äußern. In vielen Teilen der Welt ist Freiheit noch immer keine Selbstverständlichkeit und wird oft erst dann geschätzt, wenn sie bedroht ist. Deshalb muss man immer wieder dafür kämpfen – auf seine eigene Art und Weise.

Nach meiner Rückkehr in die Niederlande verspürte ich den Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, angetrieben von dem Wunsch nach Gerechtigkeit. Dies führte mich schließlich in die Provinz- und später in die Kommunalpolitik. Und auch zur Polizei (ein zweiter Kindheitstraum ging in Erfüllung). Ich stimme der Erklärung des ehemaligen Generals Peter van Uhm, Oberbefehlshaber der Streitkräfte, in seiner Rede „Warum ich eine Waffe wählte“ zu. Als Soldat wählte er das Gewehr als sein Werkzeug. Und so wählt jeder sein eigenes Werkzeug, um die Mission einer besseren Welt zu erfüllen. In der Politik wähle ich die Worte als mein Werkzeug